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Thomas Danebrock

Schriftsteller

Das Buch ... 

mit einer Antwort auf die ewige Frage nach dem Sinn des Lebens ...

siehe Teaser: Kapitel 28 Taschenbuch Seite 185 ...

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Titel

Inhalt

Berlin, Anfang 1943. Während die Welt in Trümmern versinkt, erschafft der gefeierte Modefotograf Norbert Kranz in seinem Atelier unbeschwerte, fantasievolle Bilderwelten. Mit unerschütterlichem Optimismus verteidigt er sein persönliches Paradies und sein freigeistiges Künstlerdasein – bis zu jenem Tag, an dem ihn ein geheimer Führerauftrag erreicht.

 

Plötzlich ist die Realität nicht mehr auszublenden. Norbert wird gezwungen, das Schöne gegen den Irrsinn des NS-Regimes einzutauschen. Seine Welt gerät rasant ins Wanken, und der Auftrag gleicht einem Todesurteil für seine moralische Freiheit.

Sein einziger Lichtblick in dieser düsteren Zeit ist die mutige Kunsthistorikerin Jana Engelbrecht.

Sie leitet das geheime Projekt mit leidenschaftlichem Ehrgeiz, um sich von der quälenden Sorge um ihren vermissten Verlobten abzulenken. Als Frau in einer reinen Männerdomäne muss sie sich täglich neu behaupten – und gerät dabei auf eine emotionale Achterbahnfahrt inmitten eines zerstörerischen Umfelds.

Zwischen Bombenhagel und dem totalen Krieg prallen zwei völlig verschiedene Lebensideale aufeinander, auf der Suche nach Menschlichkeit, Sinn und innerem Frieden. Lässt sich das eigene Paradies retten, wenn ringsum alles zerbricht?

 

Ein tiefgründiger, philosophischer und inspirierender historischer Roman über die Kraft der Hoffnung, die Unvergänglichkeit des Augenblicks und den Mut, im dunkelsten Kapitel der Geschichte das Licht nicht zu verlieren. Basiert auf einer beinahe unbekannten, historisch brisanten Wahrheit.

Inhalt

Bio

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Thomas Danebrock blickt auf eine vielseitige kreative Laufbahn als Fotograf, Kameramann und Drehbuchautor zurück. Seine Arbeit an unterschiedlichsten internationalen Projekten gewährte ihm tiefe Einblicke in gesellschaftliche Themenwelten und die bewegenden Facetten menschlicher Persönlichkeiten rund um den Globus. Aus diesem geschulten, visuellen Blickwinkel heraus entstand auch die Idee zu seinem Debütroman:

Bei Recherchen im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München stieß er auf das historische Farbdia-Archiv des geheimen Führerauftrags „Monumentalmalerei“. Dieser brisante Fund gab den Impuls für eine tiefgründige, atmosphärische Geschichte, die ein fast vergessenes Kapitel des NS-Regimes beleuchtet.

Sein eigener Sinn für Freiheit und das persönliche Paradies spiegelt sich auch in seinem Lebensstil wider: Heute lebt Thomas Danebrock mit seiner Familie und zwei Hunden in einem Wohnmobil. Seit vielen Jahren reisen sie gemeinsam durch Europa – ein freigeistiges Leben, das ihm den Raum und die Inspiration für seine zeitlosen, philosophischen Geschichten schenkt.

Bio
Historisch

Historisches

Der 

Führerauftrag „Monumentalmalerei“ 

ist ein geheimer Auftrag zur Rettung zerstörungsgefährdeter, kunsthistorisch bedeutender Bauwerke. Von den kunstvoll aufgebrachten Wand- und Deckenmalereien sollen farbige Bilder erstellt werden, als Vorlagen für einen Wiederaufbau der Kunstdenkmäler nach dem erwarteten Endsieg. Eine wahnwitzige Idee, die mitten in den Kriegswirren zu einer gewaltigen Operation heranwächst. Viele renomierte Fotografen, verteilt über das Deutsche Reich, sollen umittelbar mit der Umsetzung beginnen.

Die heute noch rund 40.000 erhaltenen Diapositive überliefern in hoher Qualität die letzten, oft die einzigen farbigen Ansichten bedeutender Kunstwerke vor der Zerstörung oder Beschädigung im 2. Weltkrieg. 

Das Farbdiaarchiv ist im  Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München aufbewahrt und wurde digitalisiert.

Es gilt als eine interessante Bildquelle zur Geschichte der mitteleuropäischen Wand- und Deckenmalerei, da in ihm eine Vielzahl zerstörter oder beschädigter Kunstwerke, häufig in erstaunlichem Detailreichtum, für Forschung, Bildung und Denkmalpflege überliefert ist.

Teaser   Leseproben aus meinem Buch

Kapitel 3 Taschenbuch Seite 26 ...

Norbert lief leichtfüßig die engen Eisenstufen der Leiter hinauf. Er hatte lange nach einem Ausgang nach oben gesucht. Auf dem Flachdach dieses überragend hohen Gebäudes müsste er eine gute Rundumsicht haben, auf das Geschehen, das die Sirenen ankündigten, wo immer es auch stattfand. Eingesperrt in einem Bunker und sinnlos auf das Ende des Lebens oder die Entwarnung zu warten, das Unabänderliche, ohne sein Zutun einfach geschehen zu lassen, das konnte er sich heute nicht vorstellen. Die Gelegenheit war zu günstig. Und es war völlig in Ordnung, wenn es ihn dabei erwischen sollte, denn er war Keinem etwas schuldig. Er war nicht verheiratet, er hatte keine Kinder, niemandem gegenüber war er in einer Verantwortung gebunden. Hier oben auf dem Dach umwehte ihn ein angenehm lauer Wind, für diese Jahreszeit. Die tief stehende Sonne unterstütze die Wirkung mit einem warmen, rotgelben Farbton. Er blinzelte in den Himmel hinauf, in eine tiefblaue Unendlichkeit. Die Sirenen waren verstummt. Nie war es tagsüber so geräuschlos auf den Straßen der großen Stadt. Norbert genoss diese Atmosphäre und lauschte mit geschlossenen Augen in die Weite. Er fühlte sich frei, wirklich frei, fernab von den Konventionen einer Gesellschaft. Die war gerade unter dicken Betonmauern versteckt, verunsichert und ängstlich, mit der Todesangst im Gepäck. Da war etwas zu hören. Zuerst undefinierbar wurde es bald zu etwas – wie ein dumpfes Rumpeln. Norbert versuchte die Richtung zu orten. Mit geschlossenen Augen drehte er sich ein wenig, denn es kam von hinten, mit dem Wind. Deutlich klapperte etwas auf der Straße unter ihm. Norbert schaute über den Rand des Daches. Da querte ein Mann die breite Straße mit einem Leiterwagen, der beladen war mit Kisten und Taschen, teilweise verhüllt mit Decken. Allein, über den harten Belag der leeren Straße, zog er sein Hab und Gut, vielleicht um es zu schützen vor dem Verlust. Es war ein ungewöhnliches Motiv. Die tiefstehende Sonne legte lange, schwarze Schatten über den grauen Grund, filigrane Linien, die von den Oberleitungen der Straßenbahn stammten, die parallel verliefen. Norbert drückte den Auslöser seiner Kamera herunter, als der Mann ungefähr 20 Meter tiefer unter ihm seitlich an der ihn blendenden Sonne vorbei nach oben schaute, fast so als würde er Norbert anschauen. Sein Gesicht war verzerrt durch die Kraftanstrengung, glänzte durch die Feuchte des Schweißes, der von seiner Stirn herunterlief. Vielleicht kein günstiger Augenblick für eine Stadtflucht, dachte Norbert und war beglückt, dass er den Weg auf das Dach gewählt hatte, denn dieses eine Bild war es schon wert gewesen. Mit geschlossenen Augen, von leichtem Wind umweht, wartete er weiter und fühlte die Luft um seine Ohren strömen. Das Rappeln der Karren-Räder, zunächst noch entfernt zu hören, war verstummt. Das einzige Geräusch in der Stille war der Rhythmus seines Pulsschlags, der von innen an sein Trommelfell klopfte, ruhig und flach, doch fast schon zu laut, um zu horchen, was sonst vielleicht noch wahrzunehmen wäre. Leise, ohne jegliche Schwankung, konnte Norbert dann doch ein tiefes, hallendes Grollen aus der Ferne ausmachen. Das Geräusch erinnerte ihn an eine Schneelawine die, wenn sie aus sicherer Entfernung beobachtet wird, unaufhörlich, immer lauter und kraftvoller, rücksichtslos ihren Weg ins Tal hinunterstürzt. Langsam drehte sich Norbert in diese Richtung und öffnete die Augen. Als Silhouetten nur, weit weg noch, doch deutlich sichtbar flogen sie aus nördlicher Richtung auf ihn zu. Das tief stehende Sonnenlicht schien seitlich auf ihre silbrig grauen Bäuche und erzeugte blitzende Lichtreflexe auf den glatten Oberflächen. Sie mussten jetzt an der äußersten Stadtgrenze Berlins angekommen sein, da wo die langen Fabrikschornsteine in hohe Kirchturmspitzen übergingen. Kleine, dunkle Rauchwolken begleiteten die Riesenvögel, unwillkürlich tauchten sie immer wieder auf – die verpuffende Munition von unwirksamen Flakgeschützen. Norbert hob seine Kamera, schaute hindurch und wartete. Elf Bomber schwebten in der Luft und brüllten ihm entgegen. Sie flogen eine leichte Kurve nach Osten, bis auf drei Bomber, die weiter auf ihn zu kamen, als hätten sie ihn auf dem Dach entdeckt. Ein Schweif weiß-grauer Abgasstreifen markierte ihren Weg der plötzlich verblasste, als sie ihre massigen Körper nach unten senkten.

Kapitel 28 Taschenbuch Seite 185 ...

„Und, vergnügst du dich? Ist es nicht schön in einer Welt voller Erfüllung?“ „Oh ja, danke, ich hatte zwar erst den Champagner probiert, der schon mal exzellent war, aber ich werde noch einiges ausprobieren wollen.“ „Das ist gut.“ Norbert stutzte kurz, hatten sie sich in der Zwischenzeit das „Du“ angeboten? Er konnte sich nicht mehr erinnern. „Entschuldigen sie mich“, sagte Norbert mit ungeduldiger Stimmlage, ohne dabei unfreundlich wirken zu wollen, „ich war gerade auf dem Weg zu einer mir bekannten Dame. Sie ist da ganz hinten und schaut zu mir herüber – da, ganz weit hinten im Raum, das ist sie.“ Sein Gegenüber schaute erst gar nicht dorthin, antwortete aber sanft. „Ahhh, verstehe mein Sohn. Sie ist nicht von dieser Welt, sie ist ein Trugbild. Du hast sie mitgebracht, aber sie ist unerreichbar – hier.“ „In einer Welt der Erfüllung werde ich das ja wohl noch hinbekommen.“ „Zu einer Liaison gehören mindestens zwei, oder auch mehrere, die den gleichen Weg bereit sind zu gehen. Einer Illusion zu folgen ist ein Irrweg, der sehr anstrengend sein kann. Die Wahrheit zu erkennen ist viel leichter wenn du wach bist und deinem Herzen folgst und nicht deinem Verstand, der immer nur einen Teil des Ganzen sieht. Komm wir trinken noch ein Gläschen zusammen.“ Er legte den Arm über Norberts Schulter und leitete ihn zu einem Stehtisch, der völlig aus Glas gefertigt war. Auf der runden Glasplatte standen hübsch verzierte Kristallgläser, gruppiert um eine gläserne Kiste, in der ein Bündel Zigaretten zurückhaltend sichtbar zum Genuss frohlockten. Der Deckel war wie ein rechteckiger Aschenbecher kunstvoll geformt. „Ein Lalique aus den Anfangszeiten seines Schaffens – wunderschön, nicht wahr?“ „René Lalique meinen sie?“, fragte Norbert, ganz angetan von der vollendeten Harmonie der Tischform. „Ja, ein geniales schöpferisches Werk. Alle Schöpfung entsteht aus dem Geist. Je reiner, ungefilterter der Geist das Gehirn erreicht und zur Handlung durchströmt, desto genialer sind die manifesten Bilder, die wir dann erfahren dürfen, mit unseren körperlichen Sinnen.“ „Ganz genau, welch Erfindungsgeist, der uns so wunderbare Freuden wie den Zigarettengenuss bietet, kombiniert mit einem erlesenen Tropfen edelsten Champagners, kredenzt in diesen kunstvollen Kristallkelchen, perfekt arrangiert auf einem gläsernen Schmuckstück.“ Norbert hatte seine Worte noch nicht ausgeschwärmt, da erschien neben ihm eine Bedienung und füllte ein Glas mit der prickelnden Flüssigkeit längst vergangener Zeiten. Danach wurde ihm der Deckel des Glaskästchens geöffnet. Er nahm eine Zigarette heraus, die ihm etwas länger erschien, als die, die er üblicherweise zwischen seinen Fingern hielt und mit der ihm vorgehaltene Flamme konnte er die Zigarette anzünden und probieren. Er zog die Luft kräftig durch den ideal verdichteten Tabak ein und fühlte sofort eine erfrischende Kühle in seinen Lungen, gefolgt von einem nussigen Aroma auf der Zunge, das ideal mit dem mild säuerlichen Champagner harmonierte – unübertrefflich. „Genieße was der Geist vollbringt. Eine Harmonie im Zusammenspiel der Elemente. Doch wisse, das der reine Geist nicht nur dem Erfinder zuteil wird. Er ist das „Alles was ist“ für Jedermann. Keine Idee, keine Erfindung, keine kreierte Form und kein Bild ist von demjenigen, der es erschafft. Denn der Körper ist nur ein hingebungsvolles Instrument im Spiel des schöpferischen Ganzen.“ „Moment, Herr Professor.“ Norbert hatte sich gerade verschluckt an seinem köstlichen Getränk, und hustete den übrig gebliebenen Rauch aus den Lungen. „Dieses Wunderwerk der Möbelkunst kommt von René Lalique, und die Erfindung des Motors kam von einem Mann, und die genialen Fotografien, mit denen ich einen riesigen Erfolg habe, sind meinem Gehirn entsprungen.“ „Du hast die tollen Bilder nur empfangen, aus einem offenen Moment der Stille in dir, und du musst zugeben, dass du die Fotografie nicht erfunden hast, sondern nur nutzt. Wieder ein Zusammenspiel von körperlicher Erfahrung in der Verflochtenheit geistiger Kraft.“ „Dann bin ich ja gar nichts wert, wenn ich keine Besonderheit ausleben kann. Dann kann ja jeder Mitarbeiter meine Arbeit übernehmen, tun sie aber nicht.“ „Weil du ihnen zuvorkommst, und du dich entschieden hast, das anzunehmen, was dir geboten wird, im Himmel der Diversität. Aber du bist nur der, der sich etwas davon nimmt, was dein alter Freund Erich auch könnte, wenn er sich dafür entscheiden würde.“ „Erich? – wirklich Erich?“ Norbert empfand das Gesagte zwar logisch verständlich, doch eigentlich auch sinnlos, darüber zu reden. Es änderte doch am Leben nichts. Jeder hatte seine Aufgabe, und das war dann eben so. Und Erich durfte gerne so bleiben, wie er war. Als er darüber nachdachte, sich daraufhin noch eine Zigarette zu gönnen, wurde sie ihm prompt gereicht, und auch für die Kombination mit dem Champagner gab es einen Nachschank. „Du bist nicht zufrieden mit dem, was ich dir sagte? Aber wenn du akzeptierst, dass alle Bilder, die gemalt werden, schon existieren, alle Bücher, die geschrieben werden, schon geschrieben sind, und alle Erfindungen schon längst auf immer schon existieren, und nur ein Moment der Stille den Impuls an dein Gehirn gibt, um es zu machen, es zu manifestieren, welche Besonderheit steht dir dann noch zu? Du bist der Handlanger der universellen Ideen, nichts mehr, und nichts weniger. Und darauf trinken wir!“ „Und welchen Sinn macht dann das Leben noch, wenn schon alles da ist. Warum ist dann nicht schon alles da?“ „Haha, das ist das Spannende im Spiel des Lebens. Wie, wann und wo erkennt der Mensch seine Fähigkeit, wie ist er darauf gekommen, welche Umstände machten ihn zu dem, was er nun spielt – die Rolle seines körperlichen Daseins. Das ist schon wichtig, mächtig und erhaben zugleich, die Gefühle, die euch leiten, denn das ist die Ausdehnung im ewigen Sein. Das ist der spannende Grund der körperlichen Geburt, den ewigen Moment als vergehende Zeit mit Gefühlsduseleien zu verbringen.“ Norbert musste lachen. Das war eine vortreffliche Basis, das Leben zu nehmen wie es ist, mit duseligen Gefühlen genießen, und dafür war der Champagner ein vortrefflicher Begleiter. ...

Kapitel 30 Taschenbuch Seite 204 ...

„Um zehn Uhr morgen benötige ich den ersten Lagebericht von Ihnen.“ Damit beendete Herr Dr. Koch seinen kurzen Besuch in Janas Büro und entschwand so überraschend aus ihrem Blickfeld, wie er gekommen war. Erwartungsgemäß sollte der Wettlauf nun beginnen. Jana bemerkte eine hagere Gestalt, die Herrn Dr. Koch hinterher eilte. Sie war sofort hellwach. „Herr Schmitz, schön dass ich Sie gerade sehe“, rief sie so laut, dass es der ganze Flur gehört haben musste. Flink sprang sie zur offenen Bürotür und schaute nach links, wo Herr Schmitz sich gerade zu ihr umdrehte. In solch einer sensiblen Situation wollte sie keinen Gegenwind aus irgendeiner Richtung erleben, verursacht durch persönliche Unzulänglichkeiten bestimmter Kollegen. „Herr Schmitz, bitte nicht so eilig, sie benötigen Ihre Energie für den Marathon in Recherchearbeit.“ Herr Schmitz blieb keuchend stehen und schaute sie mit einem leeren, stechenden Blick an. Welch eine unnötige Darbietung des Hasses, dachte Jana. Sie war doch etwas erschrocken, als er nun näher zu ihr kam. Wie konnte man sich so sichtbar zerfleischen über berufliche Animositäten. „Herr Schmitz, ich hatte sie gerade an der Türe vorbeigehen sehen. Deshalb rief ich sie, um Ihnen die Neuigkeiten zuerst mitzuteilen. Kommen sie doch bitte mit ins Büro, damit wir weiteres kurz besprechen können.“Das, so dachte Jana im selben Moment, könnte eine Dummheit gewesen sein. Sie ging voraus und Herr Schmitz folgte ihr in das Büro und drückte die Bürotür hinter sich ins Schloss. Eigentlich ist das ja so korrekt, dachte Jana, aber im Moment hatte sie ein anderes Gefühl, eine Beklemmung, die Angst machte. Oder bildete sie sich das nur ein? „Was – für Neuigkeiten möchten sie mir sagen?“, presste Herr Schmitz aus einer immer noch atemlosen Stimme und setzte sich vor den Schreibtisch. Seine dunklen Haare waren klebrig feucht nach hinten gekämmt. Die hohe Stirn glänzte verschwitzt über seinem schmalen und ledrig faltigen Gesicht. Jana fiel auf, dass sie ihn heute morgen noch gar nicht gesehen hatte. Aber das kam schon mal vor, da jeder ihrer Kollegen auch Termine vor Ort wahrnahm. „Es gibt eine Wendung im Umgang mit den zu fotografierenden Objekten.“ Jana setzte sich hinter ihren Schreibtisch und beeilte sich, ihre sachlichen Anweisungen zu erläutern. „Auch in der Bombennacht gestern wurden in ganz Deutschland wahrscheinlich Gebäude zerstört, die einen kulturellen Wert darstellen. Herr Dr. Koch wünscht eine Auflistung der besonders wichtigen, von Bomben gefährdeten Gebäude aus kulturhistorischer Sicht. Sie Herr Schmitz sollten sich um die südwestlichen Landstriche kümmern und nach Auswertung der zugespielten Informationen eine Liste für diese Gebiete anfertigen. Ich kümmere mich um die nordöstlichen Landesgebiete. Herr Wilke wird Ihnen federführend zur Seite steh…“ Da bewegte sich Herr Schmitz ruckartig nach vorne, beide Hände ergriffen Janas Handgelenke. Er zog sie mit seinen dünnen, sehnigen Armen kraftvoll zu sich heran. Ihr Bauch drückte auf die Kante der Schreibtischplatte, sein Gesicht kam sehr nah an das ihre. Sein Atem roch unangenehm, nach kaltem Zigarettenrauch, Alkohol und einer tief körperlichen Essenz. Jana versuchte sich wieder nach hinten zu lehnen, aber dadurch wurde die Kraft in seinen Armen stärker und zogen sie noch näher an ihn heran. Ein kalter, wässriger Blick starrte direkt in ihre Augen. „Frau Engelbrecht“, begann er mit derselben gepressten Stimme wie zuvor, und sein Oberkörper begann zu zittern. „Ich bin hierhergekommen, um mit Herrn Dr. Koch zu sprechen.“ Dann ließ er Jana los und fiel in seinen Stuhl zurück. Tränen flossen ihm aus den Augen. Jana war angeekelt und erleichtert zugleich. Was für ein Mensch, der vor Wut überkochte. Dann sprach er weiter. „Ich bin hierhergekommen“, wiederholte er den Anfang seines Satzes, „weil ich in der Bombennacht, in der so viele unwiederbringliche Kunstschätze zerstört wurden, meine geliebte Frau und meinen Sohn verloren habe.“ Dann schrie er aus seiner rauen Kehle: „Deshalb kann ich nicht mehr für sie arbeiten und komme auch nicht mehr für diesen unglaublichen Blödsinn her! Er schmiss den Holzstuhl von sich, als er aufsprang und zur geschlossenen Türe schnellte. Er trat mit einem festen Tritt gegen das alte, dunkle Eichenholz, riss die Türe mit einem enormen Schwung auf, so dass sie mit der Klinke gegen die Wand knallte. Dort, im Türrahmen blieb er stehen und drehte sich zu Jana um. Da stand er im Gegenlicht der hohen Flurfenster, so dass Jana nur seine dürre Gestalt erkennen konnte, wie bei einem Schattenriss. Fast in einem mitleidigen Tonfall sprach er nun langsam. „Sie armes weibliches Geschöpf. Meinten immer stärker sein zu müssen. Kein Hilfsangebot konnte Ihrer weiblichen Arroganz recht sein. Ich wollte die Sache nur beschleunigen. Sie sind zu langsam, um alles alleine zu machen. Ich bin nicht mehr ihr Handlanger. Viel Erfolg – wenn der auch sinnlos sein wird.“ Damit verschwand er als Schatten aus ihrem Leben. Janas Blick verschwamm in einem Tränenmeer. Sie schluchzte vor Erleichterung und Ärger zugleich. Welch ein schreckliches Schicksal dieser Mensch erlitten hatte. Und wie unpassend sie gerade über ihn geurteilt hatte. Immer diese verdammten Urteile über Alles und Jeden, verdammt, immer weiß es jeder besser als der Andere – wie blöde nur. Dabei kennt nun wirklich niemand jemals die ganze Geschichte, um urteilen zu können. (…)

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